Tagung "Geschichte der jüdischen Bevölkerung im polnischen und deutschen Raum vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts"

 

Tagungsprogramm und Plakat 

Die Polnische Historische Mission und das Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken veranstalteten in Zusammenarbeit mit der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Toruń und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg eine wissenschaftliche Tagung unter dem Titel:

Geschichte der jüdischen Bevölkerung im polnischen und deutschen Raum vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Die Konferenz fand vom 23. bis 24. September 2013 statt.

Tagungsort: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Alte Universität, ALUMNI-Hörsaal (Hörsaal II), Domerschulstraße 16 (Erdgeschoss), Würzburg

 

Programm der Tagung

23. September 2013

9:00-10:30 Grußwort und Einführungsvorträge

Grußwort von Herrn Georg Rosenthal, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg

Dr. Rotraud Ries (Johanna-Stahl-Zentrum, Würzburg): Zwischen Krise und Rekonsolidierung – Jüdisches Leben im deutschen Raum der Frühen Neuzeit

Prof. Dr. Jacek Wijaczka (Universität Toruń): „Die golde Epoche" der Juden in Polen – Legende oder Wirklichkeit?

Diskussion

10:30-11:00 Kaffeepause

11:00-12:45 Jüdische Institutionen und Korporationen

Dr. Anna Michałowska-Mycielska (Universität Warszawa): The Council of Lithuanian Jews (Vaad Medinat Lita) 1623-1764

Dipl.-Ing. in Arch. Mateusz Michalski (Technische Universität Wrocław): Die Geschichte der Synagoge in Tarnogród als Beispiel für die Entwicklung jüdischer Gemeinden im polnischen Raum im 18. Jahrhundert

Dr. Svjatoslav Pacholkiv (Institut für jüdische Geschichte Österreichs, St. Pölten): Vom Kahal zur Kultusgemeinde. Galizische Juden 1772-1790

Diskussion

12:45-14:45 Mittagspause

14:45-17:15 Land und Stadt als jüdische Lebensräume

Gabi Rudolf M.A. (Universität Würzburg): Von Fastnachtshühnern und Schutzgeldzahlungen: Die Rahmenbedingungen jüdischer Wirtschaftstätigkeit in der Frühen Neuzeit an Beispielen aus Franken

Dr. Gerrit Himmelsbach (Universität Würzburg): Frühneuzeitlicher Viehhandel im Spessart

Magdalena Figurniak M.A. (Universität Opole): The History of the Jewish Population in the Areas of the Zamoyski Latifundium during the Time of the Chancellor Line (15th-17th c.)

Dr. habil. Konrad Wnęk (Jagiellonen-Universität Kraków): The Jewish Population in Kraków at the End of the 18th c.

Diskussion



24. September 2013

9:00-10:30 Bücher als Medien des gemeinsamen aschkenasischen Kulturraums

Dr. Anna Jakimyszyn (Jagiellonen-Universität Kraków): Hebrew Printers' Marks from Germany and Poland (16th-18th c.)

Elisabeth Singer M.A. (Jüdisches Kulturmuseum Veitshöchheim): Drucke aus Polen in deutschen Genisafunden

Diskussion

10:30-11:00 Kaffeepause

11:00-12:30 Äußere Gefahren und ihre Opfer

Dr. habil. Adam Kaźmierczyk (Jagiellonen-Universität Kraków): The Nobility, Jews and the Canon Law in the 18th c. Polish-Lithuanian Commonwealth

Dr. habil. Leszek Hońdo (Jagiellonen-Universität Kraków): Märtyrer (Kadoschim) in Krakau nach den Krakauer Memorbüchern

Diskussion

12:30-14:30 Mittagspause

14:30-16:00

Dr. habil. Tomasz Ciesielski (Prof. der Universität Opole): Jews in Times of War, Social and Political Riots in the Southeast of the Polish-Lithuanian Commonwealth in the 17th and 18th c.

Schlussvortrag

PD Dr. Jürgen Heyde (Universität Halle-Wittenberg): Aschkenas u-Polin. Regionalität und Universalität im Spannungsfeld jüdischer Erfahrungen in der Frühen Neuzeit

Schlussdiskussion

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Die Tagungsbeiträge werden im ,,Bulletin der Polnischen Historischen Mission" 2014 veröffentlichen.

 

Veranstalter:

  • Polnische Historische Mission an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Dr. Renata Skowrońska)
  • Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken (Dr. Rotraud Ries)
  • Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń, Institut für Geschichte und Archivkunde (Prof. Dr. Andrzej Radzimiński, Prof. Dr. Janusz Tandecki)
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Philosophische Fakultät I, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte (Prof. Dr. Helmut Flachenecker)

Die Tagung wird durch folgende Institutionen gefördert:

  • die Bayerische Staatskanzlei
  • die Sparkasse Mainfranken
  • die Sparkassenstiftung für die Stadt Würzburg
  • die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit

 

Unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Würzburg, Herrn Georg Rosenthal

 

Die deutsch-polnische Tagung setzte sich zum Ziel, die jüdische Geschichte in den beiden Sprachräumen zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert in vergleichender Perspektive zu betrachten. Zwar bildeten beide gemeinsam den Kernraum der aschkenasischen Kultur, doch die Differenzen in der Chronologie und quantitativen Entwicklung der jüdischen Gemeinden, den kulturellen Optionen, den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie den wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten ließen unterschiedliche Ausprägungen des europäischen Judentums entstehen.

Bericht

Mona Hohler (Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg)

Internationale wissenschaftliche Tagung: „Geschichte der jüdischen Bevölkerung im polnischen und deutschen Raum vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts"

Wie gestalteten sich die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für jüdisches Leben im aschkenasischen Kulturraum der Frühen Neuzeit? Welche wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten boten sich den Juden und welche soziale Stellung hatten sie inne? Wie verhielten sich Adel, Kirche und gemeines Volk zu ihnen, welche Wechselwirkungen gab es? Zur Diskussion dieser und weiterer Fragen luden am 23. und 24. September 2013 die Polnische Historische Mission und das Johanna-Stahl-Zentrum, in Zusammenarbeit mit der Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń sowie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ein. Ziel der internationalen Tagung war es, die jüdische Geschichte im deutschen und polnischen Sprachraum zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert in vergleichender Perspektive zu betrachten. 14 Wissenschaftler und Fachexperten aus Deutschland und Polen stellten ihre jeweiligen Projekte und Forschungsergebnisse vor und tauschten in anschließenden Diskussionsrunden ihre Ansichten und weiterführenden Ideen aus.

Die vielfältigen Vortragsthemen beleuchteten ein breites Spektrum an Themengebieten und gaben neue Einsichten in die verschiedenen Bereiche jüdischen Lebens und Wirkens der Frühmoderne. So konnten im Laufe der zwei Tage durch die Herausarbeitung parallel verlaufender beziehungsweise verschobener oder gar gegensätzlicher Entwicklungen in den beiden Sprachräumen verborgene Zusammenhänge aufgedeckt und neue Bezüge untereinander hergestellt werden. Zeitgenössische Stereotype wie der deutsche Vorwurf, Polen sei zu einem „Paradies für Juden" geworden oder die gängige Bezeichnung des „Schwarzen Loches" für das frühneuzeitliche Judentum westlich der Oder wurden anhand von lokalen Forschungsergebnissen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft, während sich Fallbeispiele wie die Genisafunde in Unterfranken und Bauuntersuchungen an der Tarnogróder Synagoge in größere Kontexte einbetten ließen.

Dabei wurden die Referate in vier Blocks eingeteilt: Jüdische Institutionen und Korporationen, Land und Stadt als jüdische Lebensräume, Bücher als Medien des gemeinsamen aschkenasischen Judentums, sowie Äußere Gefahren und ihre Opfer.

Das Zusammentreffen der deutschen und polnischen WissenschaftlerInnen mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten und Recherchebilanzen brachte einen regen Austausch und eine damit einhergehende Neubewertung zahlreicher Aspekte jüdischen Lebens in der Frühmoderne.

Die Tagung ermöglichte neben persönlichen Kontakten und Anknüpfungspunkten für die eigene Arbeit auch ein umfassenderes und vielseitiges Bild von den Entwicklungen des aschkenasischen Judentums zwischen dem 15. und dem Ende des 18. Jahrhunderts zu zeichnen. Die Resultate der Veranstaltung sollen bis Mitte November zusammengetragen und anschließend im ,,Bulletin der Polnischen Historischen Mission" 2014 veröffentlicht werden.

 

 

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