Tagung "Unterwegs auf Pilgerstraßen" - 25.-26. September 2014

 

Bericht

Die Polnische Historische Mission veranstaltete in Zusammenarbeit mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Toruń eine wissenschaftliche Tagung unter dem Titel:

Unterwegs auf Pilgerstraßen. Pilger aus dem polnischen und deutschen Raum im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit

Datum: 25.-26. September 2014. Die Tagung fand im Theodor-Kramer-Saal in Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg statt (Domerschulstr. 17, Würzburg). Das Tagungsprogramm finden Sie unten (Einladung, Plakat).

"Vita hominis peregrinatio" - dieses Sprichwort befindet sich in der sog. Adagia von Erasmus von Rotterdam, einer Sammlung von antiken Sprichwörtern, Redewendungen und Redensarten aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Diese philosophische Feststellung, "das Menschenleben ist eine Pilgerfahrt", kann man auch als Spiegel der Wirklichkeit des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit ansehen. Die Wallfahrten haben damals eine große Rolle gespielt - sowohl für einzelne Personen, als auch für gesellschaftliche Gruppen. Wichtig waren dabei nicht nur der religiöse Grund der Pilgerreisen, der als die Ursache der Wallfahrt diente, sondern auch ihre ganz weltlichen Vorteile. Besondere interessant war für die Pilger dabei, fremde Länder und deren Gesellschaften besichtigen zu können. Die Wallfahrten wurden nicht immer ganz freiwillig aufgenommen. Die Intention dafür konnte auch eine auferlegte Buße oder sogar Gerichtsstrafe sein.

Die Vielfalt der Wallfahrten und ihrer Teilnehmer im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit - ihre Ziele, Gründe und insbesondere persönlichen Erlebnisse - steht im Mittelpunkt der Tagung "Unterwegs auf Pilgerstraßen. Pilger aus dem polnischen und deutschen Raum im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit". Ziel der Konferenz soll es sein, anhand der Zusammenschau der Beiträge, eine Darstellung der Wallfahrtspraxis der Pilger aus den deutschen und polnischen Gebieten in dieser Zeit zu bieten. Sehr wichtig ist dabei auch der Umgang mit dem Thema "Pilgerfahrt" im allgemeinen Bewusstsein in Mitteleuropa.

Der Call for Papers richtet sich insbesondere an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaften. Es können auch Einzelbeispiele vorgestellt werden, wenn diese eine entsprechende Signifikanz für das Thema der Tagung haben. Einführende Beiträge zur Wallfahrtspraxis in deutschen und polnischen Gebieten in der besprochenen Zeit sind explizit erwünscht. Wir hoffen auf darüber hinausgehende Forschungsfragen, die aus den vorgeschlagenen Vorträgen formuliert werden.

Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Die Veröffentlichung der Vorträge ist im Jahrbuch "Bulletin der Polnischen Historischen Mission", Nr. 10/2015, beabsichtigt.

Programm

Donnerstag, 25. September 2014
9:00-10:30 Einführungsvorträge
Maria Starnawska (Częstochowa): Das Phänomen der Pilgerfahrten in der deutschen und polnischen Kultur des Mittelalters und der Neuzeit. Hauptfragestellungen und Forschungsstand
Wolfgang Wüst (Erlangen-Nürnberg): Wallfahrer und Wallfahrten in der Kritik der Aufklärung. Beispiele aus Süddeutschland
Diskussion
10:30-11:00 Kaffeepause

11:00-13:00 Wirklichkeit der Wallfahrten
Janusz Tandecki (Toruń): Wallfahrten der Bürger großer preußischer Städte im Spätmittelalter
Peter Müller (Hildesheim): Die Praxis des Pilgerns an Hand von Hildesheimer Quellen um 1500
Winfried Romberg (Würzburg): Wallfahrten im würzburgischen Franken im Zeitalter von Konfessionalismus und Aufklärung (ca. 1600-1803)
Tomasz Ciesielski, Mariusz Sawicki (Opole): Pilgrimages of Nobles and Magnates of the Republic of Poland to the Holy Places in the 17th and 18th Centuries
Diskussion
13:00-14:30 Mittagessen

14:30-17:00 Wallfahrt der Obrigkeit: Vorbild für die Untertanen oder Herrschaftsinstrument?
Philipp Plattner (Innsbruck): Bewaffnete Pilgerfahrt. Die Preußenreise Herzog Leopolds III. von Österreich (1351-1386)
Krzysztof Ratajczak (Poznań): The Pilgrimages of the Piast Dynasty in the Middle Ages
Marcin Böhm (Opole): Herzog Ludwig II. von Brieg (1380-1436). Pilger – Herrscher – Bankrotteur
Leszek Zygner (Ciechanów): Der Bischof als Pilger. Einige Beispiele aus dem spätmittelalterlichen Polen und Deutschland
Adam Krawiec (Poznań): Der älteste Bericht eines polnischen Pilgers über seine Reise ins Heilige Land – das „Reisetagebuch" von Jan Amor Tarnowski (1488-1561)
Diskussion
Ab 17:30 Kulturprogramm

Freitag, 26. September 2014
9:00-10:30 Pilgerregister und Mirakelbücher als historische Quellen
Andreas Röpcke (Schwerin): Von der Ostsee nach Thann im Oberelsass. Die Wallfahrt der „Seeländer" zum Heiligen Theobald im Spätmittelalter
Mark Mersiowsky (Innsbruck): Pilger auf Tiroler Straßen. Die Evidenz des Mirakelbuchs vom Kloster Maria Waldrast aus dem 15. Jahrhundert
Ricarda Matheus (Mainz): Deutschsprachige Rompilger im Hospiz von Santa Maria dell'Anima im ausgehenden 18. Jahrhundert
Diskussion
10:30-11:00 Kaffeepause

11:00-12:30 Persönliche Erfahrungen erzählen
Jörg Füllgrabe (Darmstadt): Von Fahrten und Gefahren. Hermann Künig von Vachs Pilgerführer „Die Walfahrt und stras zu sant Jakob" als Beispiel spätmittelalterlicher Informationsliteratur
Julian Happes (Freiburg): Persönliche Erfahrung auf vorgeschriebenen Wegen. Die Jerusalempilgerreise des Ritters Hans Bernhard von Eptingen im Jahre 1460
Markus Stich (Konstanz): Stürme – Enge – Langeweile. Zum Alltag auf venezianischen Pilger-Galeeren im 15. Jahrhundert
Diskussion
12:30-14:00 Mittagessen

14:00-15:30 Idee und Praxis der Wallfahrten
Wiktor Szymborski (Kraków): Medieval Rome in Poland – Indulgences of the Churches of the City [of Rome] and Jubilee Indulgences in Medieval Poland
Barbara Kowalska (Częstochowa): Bitt-, Dank- und Bußpilgerfahrten in den „Annales seu cronicae incliti Regni Poloniae" von Jan Długosz (1415-1480)
Diskussion
Zusammenfassung und Ende der Tagung
Ab 16:00 Kulturprogramm: Besuch der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, des sog. Käppele (gebaut 1748/1750 von Balthasar Neumann)

 

Veranstalter:

  • Polnische Historische Mission an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Dr. Renata Skowrońska)
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Philosophische Fakultät I, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte (Prof. Dr. Helmut Flachenecker)
  • Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń, Institut für Geschichte und Archivkunde, Lehrstuhl für Geschichte der Baltischen Länder (Prof. Dr. Andrzej Radzimiński)

Die Tagung wird durch folgende Institutionen gefördert:

  • Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg
  • Bayerische Staatskanzlei
  • Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit

Die Tagung wurde unter der Schirmherrschaft von Seiner Exzellenz Herrn Bischof Dr. Friedhelm Hofmann veranstaltet

 

 

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